Kultur zum Mitmachen

Kultur zum mitmachen.

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Die Kirchengemeinde Lühekirchen feiert – coronabedingt mit Verzögerung – in diesem Jahr ein großes Jubiläum: „800 Jahre St. Bartholomäus, Mittelnkirchen und 750 Jahre St. Johannes Ev., Neuenkirchen“.
Der Kulturverein Steinkirchen und Umgebung e.V. gratuliert dazu von ganzem Herzen.

Doris Marks, Vorsitzende

Hier dazu unser in der Monatszeitschrift Dat Ole Land , Juli-Ausgabe 2022, erschienene Aufsatz zu Mittelnkirchen (leicht gekürzt):

St. Bartholomäus, Mittelnkirchen

Zur Zeit der Besiedlung des Alten Landes und der Zeit der Kirchengründungen war das Bistum Bremen dem Erzbischof von Köln unterstellt, das Bistum Verden dem Erzbischof von Mainz.
Christian von Zesterfleth (1781-1848), Verfasser der „Beschreibung des im Herzogtum Bremen gelegenen Alten Landes“, beschrieb dies 1847 vortrefflich:
„In den älteren Zeiten stimmten die Grenzen der Territorial-Hoheit in den Bisthümern Bremen und Verden mit den Grenzen der geistlichen Gewalt der Bischöfe nicht überein, denn während Buxtehude und das Alte Land der Landeshoheit des Erzbischofs von Bremen unterworfen war, erstreckte sich die Diözese Verden über die Dritte und Zweite Meile des Alten Landes hinaus bis an den Ausfluss der Lühe.“ Vermutlich war zu Anfang der Kirchenorganisation zunächst vor allem die Geest besiedelt und die Marschsiedlungen wurden den nächstgelegenen Geestkirchen zugeordnet. Zunehmendes Bevölkerungswachstum erforderte dann später größere Kirchen, nachdem im 13. Jahrhundert holländische Kolonisten das Land urbar gemacht und besiedelt hatten (Verwaltung durch die Äbte des Klosters Harsefeld).
„Media Lu, d.h. Mittelnkirchen (Lu = Lühe) wird erstmals mit der Urkunde vom 31. Mai 1221 genannt, als Bischof Iso dem Andreasstift in Verden den Zehnten von Lu schenkte. Darin wird nicht nur die Kirche von Mittelnkirchen (Lu) erwähnt,* sondern gleichermaßen die Kirchen von Jork (Majorc) und Zesterfleth, die Vorgängerkirche von Borstel. Für die darin ebenfalls genannte Kirche von Estebrügge (Eschete) gibt es indirekt eine frühere Nachricht (um 1200: sacerdos de Eschete). Für Jork enthält die Urkunde zugleich die früheste Erwähnung des Ortsnamens.
Für Mittelnkirchen gilt, daß die Kirche einige Jahrzehnte älter ist als ihre erste Erwähnung.
1160 wurde der Streit zwischen Erzbischof Hartwig I. und Bischof Hermann von Verden zugunsten des Verdeners entschieden. Spätestens danach wurde eine eigene Kirche für „Lu“ östlich der Lühe notwendig, während für Steinkirchen nur die in der Bremer Diözese westlich der Lühe gelegene Seite blieb.
Feldsteinschichten in den unteren Mauerpartien von St. Bartholomäus weisen auf einen im 13. Jahrhundert bestehenden Sakralbau hin. In der Spätgotik und in der Barockzeit erhielt die Kirche nochmals eine Backsteinummantelung. Um 1334 wird „Middelsten Luh“ genannt, gelegen zwischen „Lu lapidea“ (d.h. Steinkirchen) und „Nova Lu“ (d.h. Neuenkirchen). Erkennbar ist noch heute die im gleichen Jahr ebenfalls erwähnte „Mittelsten Kirchenwurt“ und das damit verbundene Grabensystem.

Sonderbar ist auf den ersten Blick das gestutzte Dach des quadratischen und holzverschalten Glockenturms von St. Bartholomäus. Zurückverfolgen läßt er sich nicht über 1721 hinaus (wahrscheinlich gab es aber einen Vorgänger schon um 1651). Seine Spitze war hoch, überragte selbst das steile ehemalige Chordach erheblich. Mehrfach durch Blitzeinschläge zerstört, wehte 1837 durch einen Orkan (Unwetter) die Spitze des Turmes ab. Um einer solchen Gefahr aus dem Wege zu gehen, wurde er in der ursprünglichen Höhe nicht wieder aufgebaut und mit einem Zeltdach versehen, das mit einer geschwungenen Wetterfahne abschliesst. Im Turm befinden sich drei Kirchenglocken, zudem auf dem Kirchenschiff unter einem kleinen Dachreiter die Schlagglocke sowie eine Dachgaube mit Zifferblatt (Turmuhr). Die reich ausgestattete, farbenprächtige Kirche ist freundlich und hell mit ihrem von Tischlermeister Carl Bülkau 1800/1802 vor der Ostempore erbauten, im Alten Land damals üblichen Kanzelaltar. Teile des älteren Altars von 1615 wurden beim Einbau dabei berücksichtigt (d.h. insbesondere das Abendmalrelief, das Jesus und seine Jünger beim letzten Abendmahl an Gründonnerstag zeigt.) Ähnlich wie in Steinkirchen schließt der Mittelnkirchener Kanzelaltar ab mit dem „Über-allem-wachenden-Auge-Gottes“ im Strahlenkranz. Neben der Kanzel: Moses mit den Gesetzestafeln sowie Johannes Ev. mit Buch (Evangelium) und Adler.
Auf dem Schalldeckel der Kanzel ist als Bekrönung Christus als Sieger mit Fahne auf der Weltkugel und der Schlange (das Böse) stehend zu sehen; in der Mitte eine dreifigürige Kreuzgruppe, umgeben von vier Engelsköpfen und Strahlen.
Die Emporen beidseitig des Altars sind reich mit Schnitzwerk verziert (Girlanden und verbundenen Vasen). Ebenso Sakristei, Pastorenfrauenstuhl sowie die seitlichen „Hohen Stühle“, die sog. Priechen, Sitz der Gräfen, z.B. Johannes/Rölef/Gewesen Greve. Jacob Garn/Henning Garn/Anno 1731. Friedeng/Stechmann. Hinrich/Zum Felde. Anno, 1717. An der Westflanke; Den 13,. Martinii. Zudem: Johann Roelef 1642, Greve des Olenlandes. (Gräfen: hohe erzbischöfliche Beamte, Verwalter und Steuereinnehmer).

Beeindruckend sind die beiden seitlichen übergroßen Wandgemälde „Jüngling von Naim“ und „Das Jüngste Gericht“, das einen großen Teil der Nordwand mit einer Fläche von 7,60 zu 2,10 m einnimmt. Es wird um 1551 entstanden sein (vielleicht von einem Laienmaler aus der Gemeinde) und zeigt in seiner Mitte auf dem Regenbogen, träumend, Christus als Weltenrichter. Zu seiner rechten Hand vollzieht sich der Aufstieg der Erlöser, die aus nebelhafter Unklarheit hervortreten, Gestalt annehmend auf ihrem Weg in das Gottesreich. Zur Linken Christi ist nun die Verdammnis der Verworfenen dargestellt, wie es sich in ihrem Sturz auf die untere Ebene des Bildes ablesen lässt. Es ist dort auf der Ebene der Verdammten eine ganze Zahl von Teufeln beschäftigt, Menschen verschiedenen Alters und verschiedener persönlicher Lebensführung wegzuschleppen in den Schlund einer ganz dramatisch und sehr stark empfundenen Hölle. Wenn man sich überlegt, daß die Gemeinde vor diesem riesigen Bild ganz offenbar eine Bußübung zu vollziehen hatte, bei der jeder seinen Platz in diesem riesigen, grobschlächtigen Drama einnahm, wird man nicht umhin können, die Bildwirkung sehr hoch einzuschätzen. Es gab ja wenig Fähigkeit zu lesen und zu schreiben in der Gemeinde damals, und so hatten die Bilder eine ganz besondere bekehrende Funktion und gewissermassen die Aussage eine Predigt. Das Bild wurde schon bald nach der Herstellung farblich übermalt und hinter der Orgel für Jahrhunderte aufbewahrt. Es hat nach der Restaurierung 1990 ein Gegenüber zu dem in altmeisterlicher Manier im vergangenen Jahrhundert gemalten Bild von der Auferweckung des „Jünglings von Nain“ gefunden.

Das Kruzifix an der Südwand, zeigt Christus aus Eichenholz von um 1480. Ein sogenanntes „Sankt -Hulpe“ (Hilfe/Gotteshilfe)-Kreuz, das sich seit Jahrhunderten in Altländer Kirchen befindet, zunächst in der St.-Martini-et-Nicolai-Kirche in Steinkirchen.Von dort aus gelangte es später, vermutlich mit der Barockisierung der Kirche 1784/85, in die St.-Bartholomäus-Kirche nach Mittelnkirchen. Seit dem schaut dort Christus am Kreuz in seiner ganz besonderen Darstellung des Gekreuzigten auf die Gläubigen hinab.
Die Gestalt des Gekreuzigten ist schon die Gestalt des Auferstandenen: die Füße stehen nebeneinander auf einem Sockel, dem Supedaneum, mit einer weltlichen Krone statt einer Dornenkrone geziert. Mitte 15. Jh., Holz, Metall, Krone und Fassung restauriert.* Die Kreuzgruppe an der Südwand aus der Zeit der Spätgotik zeigt Christus aus dem 14. Jh., Maria, die Mutter Jesu und Johannes, den Jünger, den Jesus liebte, aus dem 15. Jh. Auf der Brüstung der Westempore: Gemälde der 18 Propheten, in der Mitte der segnende Heiland, 1651. Der romanische Taufstein aus grob behauenem Granit wurde 1991 von dem polnischen Künstler Jemzmyk mit einer Ummantelung in Bronze versehen, getragen von den Jüngern Paulus, Johannes und Bartholomäus, einer der zwölf Apostel und Schutzpatron der Kirche. Die Einfassung trägt das Wort aus dem Römerbrief: Wir sind samt Christus durch die Taufe begraben in den Tod, auf dass wir in einem neuen Leben wandeln.
Eine erste Orgel gab es in St. Bartholomäus bereits im 16. Jahrhundert, 1688 von Arp Schnitger (Hamburg) erweitert. Erneuerung erfolgten durch Jacob Albrecht aus Lamstedt und Matthias Schreiber aus Glückstadt 1750 – 1753. Weitere Veränderungen führten 1991 durch: Rudolf von Beckerath aus Hamburg sowie 2011 Bartelt Immer aus Norden. Nach der Orgel in St. Pankratius, Neuenfelde mit 34 Registern ist die Orgel in St. Bartholomäus mit 30 Registern die größte im Alten Land.
Im Rahmen der letzten grossen Restaurierung wurde innerhalb des Kirchenschiffs der alte Fußboden mit nach historischen Vorgaben gefertigten, ein freundliches Bild vermittelnden Keramikfliesen ausgestattet (Mitte 1980er Jahre). Doris Marks (mehr dazu in Dat Ole Land).

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